FO Regionalzug der 40er und 50er Jahre



  • Seit Jahren träume ich von diesem Zug... Nun will ich ihn in H0m nachbauen und hier davon Berichten.


    Ziel ist es, die Komposition in der Epoche kurz nach dem zweiten Weltkrieg nachzubilden, das heisst mit noch vorhandener 3. Wagenklasse, Torpedodachlüftern, einem Vierachser ohne Schürzenabrundung und dem frisch aus dem Zweiachser C 207 entstandenen Gepäckwagen F 362. Gegenüber diesem Bild wird deshalb an der Zeit noch um 4-5 Jahre zurückgeschraubt, denn beim Vierachser fehlen mir die Dachlüfter.


    Für das Bauprojekt stehen derzeit der Ferro-Suisse Bausatz des Bdeh 2/4 Nr. 42, ein Ferro-Suisse Bausatz eines Vierachsers mit offenen Plattformen und Bemo Spenderwagen zur Verfügung, wobei die Bemo Modelle noch austauschbar sind:



    Der Startschuss erfolgte bereits vor ca. 1.5 Jahren, jedoch habe ich bedingt durch meine berufliche Belastung, die Geburt unserer Tochter, schneckenartiges Bautempo und weitere Projekte wie dem BLS Steuerwagen in N erst jetzt einen Baufortschritt erzielen können, der überhaupt den Start eines Bauberichts erlaubt. Ich möchte an dieser Stelle denjenigen danken, die hier im Forum immer wieder packende Berichte über den Bau von Fahrzeugen posten und mir sehr viel Inspiration für meine eigene Hobbyarbeit geben, unter anderen natürlich Ralf, Peter, Tomi, denn ihr schafft es dass sich meine Gedanken allem zu Trotz ständig um dieses eine Thema winden: ich will löten.


    Nun zum Baubeginn. Als erstes habe ich mir den Triebwagen vorgenommen, denn ohne den fährt ja nichts, und ausserdem gibt mir das die Möglichkeit, noch etwas Zeit für die Lösung der technischen Aspekte der Wagenumbauten aufwenden zu können (zB. Drehgestelle des Vierachsers, aber auch Recherchen zum Gepäckwagen).


    Der BDeh 2/4 wurde von Ferro-Suisse 1987 als Bausatz und Fertigmodell in verschiedenen Varianten als sehr stimmungsvolles Modell produziert, mein Exemplar trägt die Betriebsnummer 42 und entspricht der Ursprungsversion mit 2. und 3. Klasse Abteil. Die korrekte Bezeichnung für die erste Triebwagenserie 41-43 ist BCFhe 2/4, die nachfolgenden Nummern 44 und 45 hatten zu Beginn kein 2. Klasseabteil und hiessen bis zum ersten Umbau CFhe 2/4, danach ab 1946 ebenfalls BCFhe 2/4. Die Inbetriebnahme des Vorbilds fand am 20.9.1941 in Andermatt statt, und nebenbei bemerkt: am 6.11.1941 befuhr er als erster elektrischer Zug die Strecke Realp-Furka und wurde am selben Tag von der HG 3/4 Nr. 1 durch den Furkatunnel und über die bereits eingewinterte (!) Bergstrecke nach Oberwald geschleppt (siehe Bild in der Schweizer Eisenbahn-Revue, Nr. 4/83, Seite 128).


    Ich habe das grosse Glück, dass der Vorbesitzer des Bausatzes diesen ein Vierteljahrhundert lang unberührt in der Schachtel hat liegen lassen, alle Teile und auch die Bauanleitung sind noch jungfräulich vorhanden. Dem freudigen Zusammenbau dieser Wolke von mehreren hundert Messingteilen steht also nichts im Wege.


    Die erste Baustufe betrifft das Zusammenlöten des Wagenkastens. Nimmt man das Grundgerüst aus der Schachtel, so präsentiert es sich erst einmal so:



    Wie ihr seht besteht der Wagenkasten aus einem einzigen grossen geätzten Neusilberblech (der angeätzten Buchstaben wegen nicht aus Messing), welches durch mehrere komplizierte, zum Glück bereits vom Hersteller durchgeführte Biegungen in Form gebracht wurde. Dies hat den Vorteil, dass die Front nicht separat eingesetzt werden muss, jedoch den Nachteil, dass mitten im runden Frontbereich das Blech stumpf zusammengelötet werden muss. Und das hat echt Nerven gekostet, denn bei diesem extrem zähen und stark rückfedernden Blech war die Rundung beim besten Willen einfach nie schön. Hier noch ein Bild von unterwegs:



    Als das endlich stimmte waren die Gussteile an den Dachenden dran. Diese sollten gemäss Bauanleitung bei richtiger Lötung sehr genau passen. Hier vorerst ein Bild der unverlöteten Teile:



    Diese Dinger haben sehr viel Masse und sind deshalb auch schwer zu erwärmen. Mit meiner 60 Watt Lötstation stiess ich hier auf die Grenzen des gerade noch so machbaren, aber unverhoffterweise waren es auch die letzten Teile, die ich überhaupt mit dieser Lötstation angebracht habe. Seither habe ich das Glück, ein kräftiges Widerstandslötgerät zur Verfügung zu haben, welches mir Peter hier über dieses Forum vermittelt hat. Peter hat damit meine Arbeit revolutioniert, ich werde dieses Ding nie mehr aus den Händen geben. Es hat und braucht soviel Energie, das in ganz Bern West die Lichter ausgehen wenn ich den Fusstaster betätige. Vielen Dank Peter!


    Nach dem Einbau der Dachenden präsentierte sich das Modell so:



    Alles nochmal gut gegangen, aber etwas störte mich einfach. Die Gestalt dieses Fahrzeugs wird in meinen Augen stark durch eine feine Schattenlinie zwischen dem Dach und den Seitenwänden des Wagenkastens geprägt, welche durch eine Dachrinne hervorgerufen wird. Dies hat zur Folge, dass das Dach beim Vorbild recht aufgesetzt wirkt. Nun ist dieser Schatten bei meinem Modell im Bereich des Gussteils wohl vorhanden, hört danach aber abrupt auf, da die Ätzung im Neusilberblech nicht genügend Schatten wirft. Zum Vergleich hier ein Bild des Triebwagens Nr. 41:



    Meine Lösung für dieses Problem war das Auflöten eines 0.2mm Messingdrahtes:




    Nun bin ich zufrieden, denn die Linie läuft jetzt schön gleichmässig um das ganze Modell herum:



    Das Bild zeigt auch schon die bereits eingelöteten Türpartien und Trittbretter, welche dem Wagenkasten noch endgültig Stabilität geben. Diese bestehen aus gebogenen Messingätzblechen, welche ohne weiteres mit der Zange zurechtgebogen werden konnten.


    Nun ist es schon spät, mit diesem Bild verabschiede ich mich für heute, und schreibe in den nächsten 1-2 Tagen weiter:


    Beste Grüsse,


    Alain




  • Hallo zusammen,


    6 1/4 Jahre ist es also her, seit ich euch versprochen habe dass es hier in 1-2 Tagen weitergeht... Nach so langer Zeit sehe ich (wieder), dass ich Roland, Benjamin und Ralf nicht einmal geantwortet habe. Bitte entschuldigt - mieux vaux très tard que jamais - eure Zusprüche haben mich sehr gefreut und tun es immer noch, vielen Dank!


    Nun, ein paar Jahre später und nachdem ein- zwei kleinere Projekte und ein weiteres Kind dazwischen kamen hat der FO Regionalzug bei mir wieder an Aktualität gewonnen. Vor ca. einem Jahr habe ich mit den Recherchen zu diesem mystischen asymmetrischen Gepäckwagen F362 endlich den Durchbruch geschafft, doch dazu später mehr. Und nun habe ich die Arbeiten wieder aufgenommen, und zwar in erweiterter Form: Per Zufall bin ich vor einiger Zeit zu einem zweiten Triebwagenbausatz gekommen, und den möchte ich jetzt hier parallel zum Bau fortlaufend präsentieren. Es handelt sich um den Triebwagen 44, ob er in seiner Ursprungsform als reines 3. Klassfahrzeug oder schon als 2./3. Klass enstehen soll werde ich noch entscheiden, im Moment tendiere ich jedoch auf die reine 3. Klassvariante.


    Nun, hier stehen das Gehäuse und die Dachgussteile noch jungfräulich neben dem weiter forgeschrittenen Bruder:





    Den Beginn des Baus entsprechend der Bauanleitung habe ich ja damals bereits beschrieben, allerdings bin ich nun etwas anders vorgegangen, da ich die Lampen gerne beleuchten würde. Wenn die Lampenaufsätze nämlich zuerst auf die Dachgussteile aufgelötet werden wird das Bohren der Löcher für die Lichtleiter bedeutend einfacher. Hier der aufgelötete Lampenaufsatz bei einem der Gussteile:


    Als nächstes folgt die Bohrung für die Lichtleiter mit einem 0.8mm Bohrer, mittels Proxxon:




    Danach habe ich die Löcher von Hand (Bohrer zwischen den Fingern) so aufgebohrt, dass die Form der Lampenreflektoren entstand. Bei der oberen Lampe mit einem 2mm Bohrer, bei der unteren mit einem 1.5mm Bohrer.


    Als nächstes wurde das Dachgussteil ins Gehäuse eingelötet. Hier habe ich diesmal die Anleitung nicht befolgt und das Teil zuerst am Dach befestigt, noch bevor die Stirnfront mittig verlötet war. Ich erhoffte mir damit die ganze Stirnfront während dem Löten besser stabilisieren zu können, und damit etwas weniger Fluchen zu müssen als das letzte mal, muss aber gestehen dass es immer noch nicht ganz ohne gegangen ist. Hier ein Bild während dem Löten, um die Rundung hinzukriegen habe die Stirnwand jeweils gegen einen Holzklotz gedrückt:




    Und so sieht es fertig verlötet und bereits verfeilt und verschliffen aus. Sowohl beim 42er wie auch hier musste ich ziemlich viel feilen bis es wirklich schön passte. Aber ich denke bei so runden Formen ist das fast immer so, solange man das Gehäuse nicht auf eine Lötlehre spannt. Entscheidend ist dabei die notwendige Geduld, denn das Feilen des zähen Neusilbers ist eine langwierige Angelegenheit...



    So, das war's vom ersten Schritt des zweiten Anlaufs. Weiteres folgt, hoffentlich diesmal nicht mehr nach Jahren.



    Liebe Grüsse,


    Alain

  • Hi Alain


    Besser spät als nie: Welcome back ;-) - ich habe immer an Dich geglaubt (so wie das mit dem Gnu ...)

    Gruss
    Giorgio


    i5 QuadCore 4GB RAM / WIN10 Pro 64Bit / TC9.0B2 Gold / 2L-DCC / SpurN
    2x IB2 / 2x IB1 als IB-Control / DR5000 / LocoNet+s88N / Qdecoder / LDT / WA5 / WDECN-TN / MP1

  • Hallo Alain,


    schön, dass es hier wieder was Neues gibt!


    Freue mich über deine Baufortschritte und finde, dass sieht sehr gut gelungen aus!


    lieber Gruss,

    Peter




    Intellibox IR, IntelliLight, Light@Night, Selbstbau gleis Code 70, Rückmeldung: LocoNet, QDecoder, MBTronik WA5, Win-Digipet, Dc Car Stahldraht,

  • Hallo Alain


    In den letzten zwei/drei Jahren bin ich immer wieder bei meinen Recherchen auf Deinen Thread gestossen. Dein Projekt find ich wirklich spannend, da ich mich ebenfalls mit der FO in der dunkelroten Zeit befasse. Die Umsetzung ist auf einem super weg. Bei mir waren es die F 4301 / 4302 bei welchen ich Vorbildfotos für einen Nachbau gesucht habe. Dein "asymmetrischen" Gepäckwagen auf Deinem Bild hatte es mir da auch angetan, weil ich ihn einfach interessant fand.


    Nach einigem suchen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das eigentlich kein FO Wagen sein kann. Grundsätzlich sprechen zwar viele Details für den F 361 oder 362, nur habe ich keinen einzigen Beleg gefunden, dass diesen eine Plattform "gestohlen" wurde, wie es später bei den FZ 4351 bis 4353 der Fall war. Jedoch geht das Schiebtor auf die falsche Seite auf, weiter sind die typischen Blechübegänge nicht zu sehen und ich habe keinen Beleg gefunden, dass der F 361/362 jemals auf der freien Fläche links beschriftet waren. Auch hatte ich keinen "passenden" RhB Gepäckwagen gefunden, obwohl ab den 60er Jahren regelmässig RhB D2 auf der FO zu Gast (Miete) waren. Ein Gepäckwagen der BVZ kommt ebenfalls nicht in Frage, da die BVZ über keine Zweiachsigen Gepäck oder Postwagen verfügte.


    Daher tendiere ich aktuell auf einen Einzelgänger der RhB, welcher nicht oder nur spärlich dokumentiert ist. Oder zumindest einer der beiden F 361/362 wurde doch einer Plattform beraubt, welche nicht oder nur schlecht dokumentiert ist.


    Daher bin ich sehr auf Deine Ausführungen Deiner Lösung des Rätsels, welche Du angedeutet hast gespannt!


    Gruess Adi

  • Hallo Alain


    Deine Lösung mit dem Triebwagendach ist dir wirklich gut gelungen. Ich habe ja noch das Fertigmodell in blaubeige und auch da sieht man den Fehler wenn man es weiss. Bei deinem Modell wird das Dach besser. 👍 Beim Fertigmodell ist ja auch nur die Inneneinrichtung beleuchtet.
    Ich bin gespannt wie deine Modelle und dein Zug aussehen werden.


    Viel Spass beim löten wünscht dir

    Tomi